EHEM. REITHALLE [1855–1859] Gessnerallee, Zürich

Die ehem. Reithalle an der Gessnerallee ist Teil des Kasernenareals Zürich und wurde zwischen 1855 und 1859 nach Plänen von Johann Caspar Wolff erbaut. Charakteristisch für das Gebäude ist das großspannende Dachtragwerk, das als Mischsystem aus Sparrendach und Hängesprengwerk konzipiert ist und den weiten Innenraum stützenfrei überspannt. Über die Jahrzehnte wurde die ursprüngliche Konstruktion mehrfach verändert, was zu statischen Schwächen führte.

Im Sommer 2025 wurden gezielte Restaurierungsarbeiten am Dachwerk ausgeführt. Von Anfang Juli bis Mitte August erfolgten zwei zentrale Eingriffe: Zum einen wurde das abgeänderte Hängesprengwerk durch den Einbau von zwei neuen Stützen im Foyer so ertüchtigt, dass es seine Lasten wieder kontrolliert aufnehmen kann. Zum anderen mussten an mehreren Stellen die Auflagerzonen der Dachbalken saniert werden, die durch Braunfäule stark geschädigt waren. Die Balken wurden bis auf gesunde Substanz zurückgeschnitten und mit neuen Tannenhölzern aus der Bachtelregion ergänzt. Die Reparaturstücke wurden in traditioneller Holz-Holz-Technik gefügt und mit Eichendübeln gesichert.

Die Maßnahmen vereinen handwerkliche Präzision mit denkmalpflegerischer Zurückhaltung: Einerseits wurde die Tragfähigkeit des Dachwerks dauerhaft gesichert, andererseits bleibt die historische Substanz in ihrer Lesbarkeit und Erscheinung weitgehend erhalten. So dokumentiert das Dachwerk heute nicht nur die Baukunst des 19. Jahrhunderts, sondern auch die behutsame Weiterführung durch zeitgenössische Restaurierung.